Kennen Sie das, dieses „Schwimmen in der eigenen Suppe“?
Ich kenne das mit meinen Themen „Unternehmensgesundheit“ und „gesundes BerufsLEBEN“ sehr gut und dachte mir, ich möchte es mir und vor allem Ihnen als meine Leser ermöglichen, über den Tellerrand zu schauen.

Dazu habe ich einige Netzwerkkollegen gebeten, mir und Ihnen Einblicke in ihre Arbeit im Umfeld der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) zu geben.

In den kommenden 6 Monaten veröffentliche ich deshalb auf meinem Blog Gastartikel von Kollegen, die Ihnen zeigen, wie Betriebliche Gesundheitsförderung bezogen konkrete einzelne Maßnahmen aussehen kann.

Diesen Monat zeigt Ihnen Sven Munderlohn, was Augen mit Stressprävention zu tun haben können.

Gesundheitsförderung bei visueller Beanspruchung am Arbeitsplatz

Resilienz und Stressbewältigung sind nach wie vor in aller Munde wenn es um BGM und BGF geht. Ein wichtiger Aspekt, der häufig im Kanon der Präventions-maßnahmen zu kurz kommt, ist die Beurteilung von visuellen Belastungen und deren Auswirkungen am Arbeitsplatz.

Sie kennen es sicher aus eigener Erfahrung oder von Kolleginnen und Kollegen – brechen die Nachmittagsstunden an, sinkt die Leistungskurve. Bei langanhaltender Computerarbeit fällt die Konzentration schwer. Man ist zwar noch präsent aber nicht mehr Leistungsfähig – die Folge: Präsentismus!

Laut einer Studie von Booz & Company aus dem Jahr 2011 können krankheitsbedingte Kosten zu zwei Dritteln auf Präsentismus zurückgeführt werden. Die eingeschränkte Einsatzfähigkeit vermindert die Arbeitsqualität, erhöht die Fehleranfälligkeit und die Zahl von Unfällen. Die Kosten für Präsentismus lagen im Jahr 2011 bei 2399€ pro Mitarbeiter! Durch den demografischen Wandel werden diese Kosten in den nächsten Jahren noch zunehmen!

Kopfschmerzen und Migräne stehen mit 20,5 % der betroffenen Mitarbeiter an erster Stelle der stressbedingten Symptomen bzw. Krankheiten. An dritter Stelle tauchen mit 15,3% bereits psychische Probleme auf.

Warum hat mir das noch nie jemand gesagt!

Kaum jemandem ist bewusst, dass beide Symptome häufig auf visuellen Stress zurückgeführt werden können.

Fast 80 Prozent derjenigen, die täglich länger als drei Stunden am Computer arbeiten, klagten in einer Untersuchung der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz- und Arbeitsmedizin über Beschwerden an Augen und Rücken. Dabei litt fast die Hälfte unter sogenannten asthenopischen Beschwerden: Die Augen jucken, tränen oder flimmern, die Betroffenen ermüden schnell, leiden an Migräne oder auch Schwindelanfällen.

Aber auch körperliche Beschwerden, wie Nacken- oder Rückenschmerzen oder undefinierter Kopfschmerz können Folgen von Überbelastung des visuellen Systems sein.

Vergleicht man visuell abwechslungsreiche mit visuell sehr einseitigen Tätigkeiten, wie Bildschirmarbeit, so verzeichnet man ein wesentlich häufigeres Auftreten von Beschwerdebildern:

Nach: Stephan Degle  – Arbeit und Sehen, eine interdisziplinäre Erklärung von  Veränderungen des Sehens durch Bildschirmarbeit, Universität Augsburg (2005)

Kurzsichtigkeit durch Smartphone und Bildschirmarbeit

Bei der Auswertung von 40 internationalen Studien stellten australische Wissenschaftler fest, dass die Kurzsichtigkeit weltweit zunimmt. So ist mittlerweile jeder dritte Europäer kurzsichtig. Ein Grund hierfür ist vermutlich eine veränderte Lebensweise mit verstärkter Bildschirmnutzung. Dies wird insbesondere durch die Untersuchung von Professor Dr. Frank Schaeffel aus Tübingen untermauert, der bereits 1999 zeigen konnte, dass verstärkte Naharbeit das Längenwachstum des Auges fördert, indem das vom Auge wahrgenommene Bild hinter die Netzhaut projiziert und damit unscharf abgebildet wird. Um ein scharfes Bild auf der Netzhaut zu erzeugen, reagiert diese mit der Aussendung von Signalen, die zu einem verstärkten Längenwachstum des Auges führen. 

Was können wir tun?

Zurzeit konzentriert sich die Gesundheitsprophylaxe in vielen Unternehmen fast ausschließlich im Bereich von Bildschirmarbeitsplätzen auf Sehschärfe und Ergonomie am Arbeitsplatz. Trotz Augenuntersuchungen wie G37 und optimaler Sehhilfen (Brillen/Kontaktlinsen) bestehen aber nach wie vor Beschwerden im Sehkomfort.

Trainieren wie ein Leistungssportler

Im Hochleistungssport wird das Trainieren der visuellen Fähigkeiten immer mehr praktiziert. Jeder Trainer wird als wichtigsten der 5 Sinne sofort das Auge nennen. Bei Einschränkungen im Sehen kann der Sportler nicht die volle Leistung bringen.

Bildschirmarbeit ist Hochleistungssport für das Auge. Es ist sogar ein visueller Mehrkampf!

Bei dauerhaftem Einsatz am Bildschirm absolviert ein Mitarbeiter 12.000 – 33.000 Blickwechsel am Tag. Auch die Pupillen müssen sich 4.000 bis 17.000mal pro Tag an wechselnde Helligkeit und Entfernung anpassen. Dabei muss die Fixierung möglichst ruhig gehalten werden, um kleine Blicksprünge, zum Beispiel beim Lesen einer IBAN braucht, punktgenau zu ermöglichen.

Beide Augen müssen sich auf den Bildschirm richten. Dabei sind die Augenachsen aktiv gleichzeitig nach unten und innen gerichtet. Nach 3-stündiger Computerarbeit braucht es bis zu 1 Stunde, bis der Mitarbeiter wieder entspannt in die Ferne schauen kann!

Viele Mitarbeiter helfen sich selbst, in dem sie bei Anstrengung unbewusst ein Auge abschalten. Die Folge: der Mitarbeiter verdreht den Kopf und Körper.

Auch die Linse muss sich an die Nähe anpassen. Insbesondere für Menschen jenseits der 45 ist dies jedoch ein großes Problem. Die Gleitsichtbrille, die der Mitarbeiter erhält, führt deswegen oft zu Nackenproblematiken.

Gezielte Maßnahmen – kein Gießkannenprinzip!

Durch gezielte Verhaltensprävention ist es möglich die visuelle Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz und in der Freizeit zu steigern – Wichtig zu berücksichtigen sind die unterschiedlichen Problematiken. Einem Mitarbeitenden, der nicht anhaltend in der Nähe fixieren kann, ist nicht nachhaltig geholfen mit der immer wieder angeratenen Bildschirmpause „..gucken Sie mal aus dem Fenster..“.  Hier muss der Tonus der Augenmuskeln gestärkt werden – Entspannung ist in diesem Falle keine Prävention.

Durch gezielte Trainingsmaßnahmen konnten in der Vergangenheit bereits vielfach nachhaltige Erfolge erzielt und die astenopischen Beschwerden gesenkt werden!

Beschwerdebild – Trockene/brennende Augen, Vorher/Nachher-Auswertung einer Erhebung im Rahmen einer gezielten Trainingsmaßnahme

Gesundes Sehen am Bildschirm erfordert also mehr als nur gute Sehschärfe – viele Beschwerden sind nicht oder nicht nur auf eine nicht ausreichende Korrektur der Sehschärfe zurückzuführen – im Gegenteil – häufig ist unser Sehverhalten und sind nicht korrekt beherrschte Augenfunktionen wie Beidäugigkeit und Fixierungsfähigkeit die Ursache.

Wenn Sie mehr über Sven Munderlohn und Eyemobility erfahren möchten, klicken Sie einfach auf den nachfolgenden Link http://www.eyemobility.de

Möchten Sie regelmäßig Know-How, Tipps und Praxisberichte zum Thema Unternehmensgesundheit/Betriebliches Gesundheitsmanagement erhalten? Dann tragen Sie ich doch in meinen Newsletter ein. Sie können sich jederzeit wieder abmelden!

A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klientinnen ein. Dazu zeigt sie "ihren" Frauen in Privaten Mentoring Programmen, wie sie ANDERS Arbeiten und sich ein zufriedenes und erfülltes BerufsLEBEN erschaffen können.

More Posts

Follow Me:
Flickr

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.