Das Berufs- und Privatleben unter einem Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach. Die sogenannte Work-Life Balance ist immer noch ein Wunsch vieler Angestellter aber auch Selbständiger, wenn sie in meine Beratung kommen.

Aber sind Arbeit und Leben wirklich in einem Spannungsverhältnis, was ausgeglichen/ausbalanciert werden muß? Ist Work-Life-Balance überhaupt möglich oder sprechen wir hier von einem Mythos?

Viele reden davon, doch niemand scheint sie wirklich zu haben: Die Work-Life-Balance. Welche Bedeutung hat Arbeit überhaupt für den Menschen – Bereicherung oder notwendiges Übel?

Work-Life-Balance – was ist das überhaupt?

Betrachten wir zunächst einmal die Definition von Work-Life-Balance: Die Work-Life-Balance bezeichnet die Ausgewogenheit von Arbeits- und Privatleben. Praktisch gesehen soll ein Gleichgewicht zwischen diesen immer wieder als konkurrierend dargestellten Lebensbereichen hergestellt werden.

Im Prinzip soll dem Arbeitnehmer durch z.B. flexible Arbeitszeitmodelle mehr Kontrolle über die Organisation des eigenen Arbeitslebens ermöglicht werden. Aber ist das die Lösung für das gefühlte Work-Life Balance Dilemma?

Die Kernfrage ist doch eine ganze andere…

Leben wir, um zu arbeiten oder arbeiten wir um zu leben?

Um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen, sollten wir uns anschauen, was Arbeit für uns Menschen alles sein kann. Für die meisten Menschen bildet Arbeit den Rahmen für den Tag, bietet soziale Kontakte und ist Projektionsfläche für Selbstbewußtsein und Kreativität.  Arbeit kann also durchaus befriedigend sein und ist vielmehr als ein lästiges Übel, das wir auf uns nehmen. Schließlich lässt sich auch neben der Arbeit ein äußerst erfülltes Privatleben führen.

Und mal ganz ehrlich – wie lange kannst Du das „süße Nichtstun“ wirklich genießen, ohne „die Wände hochzugehen“?

Stelle Dir mal vor, Dir wird jede Arbeit abgenommen. Alle um Dich herum arbeiten, nur Du darfst nichts machen. In den ersten Wochen wäre dies wohl, wie ein entspannter Urlaub aber dann….?!

Mit der Zeit dürfte ein Gefühl überwiegen: Nutzlosigkeit! Dieses Gefühl ist auch Gift für Dein Privatleben, denn Du hättest so viel Zeit, die Bekannte und Freunde füllen könnten, doch die müssen arbeiten. Zur Nutzlosigkeit kommt dann ein Gefühl der Unausgeglichenheit und der Wunsch, auch mal wieder etwas tun zu können. Kennst Du den Ausspruch – wer keine Aufgabe hat, gibt sich auf?

Um es kurz zu machen: Leben und Arbeiten sind in meinen Augen keine Konkurrenten. Sie sind keine Gegensätze, die es auszubalancieren gilt. Vielmehr geht es um eine Lebensgestaltung insgesamt, die uns das Gefühl gibt, ausgeglichen zu sein und für uns sinnvolle Dinge zu tun. In diesem Zusammenhang mag ich die das Wort BerufsLEBEN sehr gerne!

Die Irrtümer der Work-Life Balance

Das Magazin t3n beschäftigte sich vor Kurzem mit den Irrtümern im klassischen Work-Life-Balance-Ansatz. Ich sehe das ähnlich:

  • Das Modell der Work-Life-Balance geht grundsätzlich davon aus, dass Arbeiten eine Bürde ist. Das „richtige“ Leben findet erst dann statt, wenn die Arbeit beendet wurde. Doch ganz ohne eine Aufgabe fühlen wir uns unausgeglichen und nutzlos. Genau aus diesem Grund gehen wir arbeiten.
  • Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen privat und beruflich. Es gelingt daher nicht immer, die Arbeit im Büro zu lassen. Genauso wenig gelingt es immer, persönliche Probleme zu Hause zu lassen. Gedanken lassen sich nicht so einfach abschalten.
  • Maßnahmen zum Ausgleich binden nicht in jedem Fall die Mitarbeiter an das Unternehmen. Sie bewirken auch keine Leistungswunder. Wer das Unternehmen unbedingt verlassen will, der verlässt es auch.
  • Besondere Talente suchen nicht nach zahlreichen oder besonderen Gimmicks. Sie kommen zu den Unternehmen, die ihnen die Möglichkeit bieten, sich aus der persönlichen Perspektive heraus voll zu entfalten und etwas bewirken zu können. Eine spannende und sinnvolle Aufgabe ist mehr wert als nur ein bloßer finanzieller Arbeitsausgleich.

Brauchen wir also wirklich mehr Balance?

In keinem anderen Land wird so wenig gearbeitet, wie in Deutschland. Die OECD sammelt jährlich die auflaufenden Arbeitsstunden pro Person im internationalen Vergleich.

2016 lag der jährliche Durchschnitt bei 1.363 Arbeitsstunden pro Person.

Im Vergleich: Der OECD-Durchschnitt liegt bei 1.763 Arbeitsstunden pro Person. Können wir uns also tatsächlich über zu viel Arbeit beschweren? Zugegeben: Die Stunden die wir arbeiten geben nicht unbedingt Aufschluss darüber, wie anstrengend die Arbeit auf uns wirkt. Doch im internationalen Vergleich gibt es nicht wirklich Grund zu meckern.

Leben erst nach Feierabend?

Wieso stellt Arbeit denn bei allen positiven Aspekten, für Viele immer noch ein lästiges Übel dar und warum fängt für viele Menschen das richtige Leben erst nach Feierabend an?

Ich erlebe hier oft eine bestimmte Art von innerer Haltung zum Thema Arbeit, die nicht selten von unseren Vorbildern aus der Kinder- und Jugendzeit geprägt wurde. Oftmals wurde hier sehr einseitig vermittelt, dass Arbeit eben anstrengend, stressig und lästig ist und eben nicht, dass wir durch Arbeit unserem Leben selbst eine Bedeutung geben.

Wer nach mehr Work-Life-Balance ruft, braucht eventuell nur einen anderen Job – den richtigen Job nämlich. Einen, der mehr den eigenen Fähigkeiten entspricht und dafür sorgt, dass wir uns entfalten können. Ein BerufsLEBEN, das paßt und das man liebt!

Wer glaubt, dass Arbeiten und Leben streng getrennt werden können, sitzt einem Mythos auf.  Für einige mag das Leben jenseits der Arbeit der Part sein, indem sie mehr Erfüllung finden und auch mehr Sinn sehen. Und das ist auch ok! Vielleicht überbrachten wir das Thema Arbeit und Beruf auch mit zu vielen Erwartungen. Aber vielleicht lohnt es ich sich dennoch, sich darum zu bemühen, uns möglichst ein BerufsLEBEN zu erschaffen, das zu uns paßt und das wir lieben.

Arbeitszeit ist auch Lebenszeit!

Bereits im Kindesalter lernen wir, das Arbeiten immer mit Mühe verbunden ist. Ob nun in den Wörtern Hausarbeit, Schularbeit, Beziehungsarbeit etc.

Ein negativer Beigeschmack ist also oftmals von Anfang an vorhanden und sorgt dafür, dass uns die Lebensfreude beim Arbeiten abhandenkommt. Doch das ist vor allem eine Frage der Haltung und die lässt sich auch im Nachgang noch verändern.

Mach Deinen Kopf frei von dem Gedanken der Work-Life-Balance und mach Dir bewusst, dass Deine Arbeit Dich nicht vom Leben abhält. Ganz im Gegenteil – Deine Arbeit ist ein bedeutender Bestandteil Deines Lebens, ohne den Du Dich nicht selbst verwirklichen kannst.

Fazit: Arbeit ist Leben

Arbeiten gehört zu unserem Leben. Sie ist ein Teil von uns, ohne den wir uns nutzlos und oftmals  auch wertlos fühlen. Sie erfüllt uns mit Sinn – und das ist genau das, wonach die meisten von uns in ihrem Tätigkeitsfeld suchen.

Dabei geht es nicht um die perfekte Balance zwischen dem privaten Leben und der Arbeit – falls es die überhaupt jemals geben sollte. Es geht vielmehr darum, Aufgaben zu finden, die den eigenen Fähigkeiten entsprechen und die uns zufrieden machen.

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A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klientinnen ein. Dazu zeigt sie "ihren" Frauen in verschiedenen Programmen, wie sie ANDERS arbeiten können: Entlang ihrer Stärken, zufrieden & motiviert.

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