Fühlst Du Dich manchmal nicht auch, als würdest Du jeden Tag zusammen mit Deinen Büroklamotten auch eine Maske anziehen? Schlüpfst Du mit Deiner Kleidung nicht auch oft in eine Art Rolle für den Arbeitsalltag?

Ja sicher, denkst Du jetzt vielleicht aber spielen wir nicht alle irgendwelche Rollen, jeden Tag? Wir alle entsprechen den Erwartungen im Job, erfüllen Geschlechter- oder Status-Stereotypen im Büro, passen uns an, um anderen zu gefallen oder um beachtet zu werden.

Ist das nicht normal? Ist das noch authentisch oder beginnt dort schon die Lebenslüge?

Ich spüre es nicht nur bei mir selbst sondern in den letzten Jahren verstärkt auch in meinem beruflichen und privaten Umfeld – die Sehnsucht nach Authentizität, der Wunsch nach Sein statt Schein, nach Echtheit. Endlich die Masken abnehmen und echt sein.

Aber geht das überhaupt – und wenn ja wie?

Definition: Was ist Authentizität?

Google findet inzwischen rund 10,4 Millionen Einträge zum Suchbegriff „authentisch“ – die Sehnsucht und die Suche nach dem Echten scheint groß zu sein heute.

Entsprechend wird das Substantiv Authentizität oft mit „Echtheit“ übersetzt. Wenn etwas als authentisch gilt, dann wurde es laut Definition also auf seine Echtheit geprüft und als Original befunden. Das gilt für Dinge oder Dokumente genauso wie für Menschen. Nur lassen die sich natürlich schwerer prüfen. Deshalb versuchen wir es oft mit anderen Kriterien – wie etwa der Übereinstimmung von Reden, Handeln, Gefühlen oder Denkweisen einer Person.

Die etymologische Betrachtung des Begriffs ist deshalb vielleicht zielführender: So leitet sich das Wort Authentizität vom Griechischen authentikós ab: „Autos“ bedeutet selbst und „ontos“ sein. Authentisch zu sein, heißt also übersetzt so viel, wie man selbst sein.

Authentische Menschen wirken in der Regel wahrhaftig, ungekünstelt, offen und entspannt. Ein authentischer Mensch strahlt aus, dass er zu sich selbst steht, zu seinen Stärken und Schwächen. Er ist gewissermaßen im Einklang mit sich selbst und das spürt auch die Umwelt.

Woran erkenne ich einen authentischen Menschen oder erlebe mich selbst als echt?

Tatsächlich haben sich in der Vergangenheit zahlreiche Wissenschaftler mit der Authentizität beschäftigt und versucht, diese auf irgendeine Weise zu messen oder zumindest etwas genauer zu bestimmen. Die Sozialpsychologen Michael Kernis und Brian Goldman von der Universität von Georgia unterscheiden hierbei zum Beispiel vier Kriterien,   die erfüllt sein müssen, damit wir uns selbst oder andere als authentisch erleben:

  1. Bewußtsein- Wir müssen unsere Stärken (Link zum Blogbeitrag) und Schwächen ebenso kennen wie unsere Gefühle und Motive, also warum wir uns so oder so verhalten. Erst durch diese Selbstreflektion sind wir in der Lage, unser Handeln bewusst zu erleben und zu beeinflussen.
  1. Ehrlichkeit- Leider neigen wir Menschen dazu, uns schöner zu sehen als wir sind. Sogar sprichwörtlich. So gibt es einen amüsanten Versuch mit Porträtfotos und durch Photoshop geschönte Varianten. Auf die Frage, welches der Fotos die Probanden selbst zeige, entschieden sich diese jedes Mal für das aufgehübschte Foto. Sollten sie hingegen die Porträts anderer Teilnehmer identifizieren, wählten sie ohne Probleme das unbehandelte, authentische Gesicht. Traurig, aber wahr: Wer authentisch sein will, muss der Realität ins Auge blicken und auch unangenehme Rückkopplungen akzeptieren.
  1. Konsequenz – Wer Werte hat, sollte danach handeln. Das gilt auch für einmal gesetzte Prioritäten oder für den Fall, dass man sich dadurch Nachteile einhandelt. Kaum etwas wirkt verlogener und unechter als ein Opportunist.
  1. Aufrichtigkeit – Natürlich lässt sich eine Zeit lang ein geschöntes Bild aufrechterhalten. Ein bisschen Show muss sein und so. Aber nicht, wenn es um Authentizität geht. Wer wahrhaftig sein will, muss die Größe zeigen, auch seine negativen Seiten zu offenbaren.

Authentizität beginnt also immer bei Dir selbst. Wer versucht, Rollen und Klischee zu entsprechen, bewegt sich davon schon weg, ist zwar vielleicht beliebt, aber häufig auch opportun und unecht.

Ich habe damals erst in meinem Burnout erkannt, dass ich die ganze Zeit über eine Rolle gespielt habe, der ich nicht entsprach. Ich hatte Professionalität für mich falsch interpretiert und habe alles ausgeblendet, was mich als Mensch hätte zeigen können. Professionell sein hieß für mich damals tough sein – ohne große Emotionen.

Meist konnte ich diese Rolle auch zu Hause nicht ablegen. Ich erinnere mich noch an ein Gespräch mit meinem damaligen Lebensgefährten. Wir saßen beim Abendessen und unterhielten uns. Als plötzlich mein Diensthandy klingelte und ich im Display sah, dass mein Chef dran war. Da sagte ich in einem geschäftsmäßigen Ton zu meinem Lebensgefährten, „wir sind dann ja soweit auch durch, oder?“, und verschwand mit dem Handy am Ohr in meinem Arbeitszimmer.

Solche Situationen könnte ich noch 100ten erzählen – sie alle zeigen, dass ich mich, wie ich wirklich war, gar nicht mehr zeigte, sondern nur noch das lebte, was ich dachte, das andere von mir erwarteten. ECHT war das zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr.

ECHT war erst nach dem Burnout wieder möglich und es war gleichzeitig auch nicht mehr möglich, unecht zu sein!

Aber weiter im Text…

Warum ist „echt“ so hipp?

Wer sich verstellt, gilt als unehrlich; wer sich anpasst als Opportunist; wer für alles offen ist, kann nicht mehr ganz dicht sein. Aber wer ist, wie er ist, der hat zumindest das Zeug zum Original.

In Wikipedia gibt es zum Beispiel eine andere Definition für Authentizität:

Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, dass das Handeln einer Person nicht durch äußere Einflüsse bestimmt wird, sondern in der Person selbst begründet liegt.

Das ließt sich leicht, verlangt uns im Alltag jedoch allerhand ab. Es bedeutet, keine faulen Kompromisse zu schließen, sich selbst treu zu bleiben und aufrecht zu seinen Überzeugungen zu stehen und danach zu handeln.

Aber reicht das schon, um das Authentische als so erstrebenswert zu erachten?

Auf den Punkt gebracht – wenn ich ein Arschloch als Mensch bin, dabei aber immer hübsch authentisch, macht es die Tatsache, dass ich ein Arschloch bin dann besser? Getreu dem Motto, Hauptsache ich bleibe mir treu? Wohl kaum!

Die Kunst authentisch zu bleiben

Aus der Zwillingsforschung ist heute bekannt, dass die Gene allenfalls 20 bis 50 Prozent Einfluss auf den Charakter eines Menschen nehmen. Der Rest ist freier Wille. Oder mit den Worten Epikets:

Mache dir selbst zuerst klar, was du sein möchtest; und dann tue, was du zu tun hast.

Das Arschloch kann sehr wohl etwas dafür, dass es ein Arschloch ist.

Nicht das Authentische alleine ist erstrebenswert sondern die Gabe, echte Werte zu erkennen, zu bewahren und zu leben. Nicht wer man heute ist, ist das Ziel, sondern wer man sein möchte – und das möglichst in einer besseren Version als die aktuelle.

Es ist die Kunst mitzugehen, ohne die falsche Richtung einzuschlagen. Wer Fehler macht, diese erkennt, kann sich anpassen und verändern und dennoch authentisch bleiben. Das ist kein Widerspruch, im Gegenteil: Die Veränderung des Denkens und Handelns ist Teil der echten Persönlichkeitsentwicklung. Und ein wesentlicher Charakterzug der Authentizität.

Und womöglich ist das die wahre Kunst, authentisch zu bleiben: ehrlich und treu sein.

Bleibt noch die Frage zu klären, ob Echtheit im Job eher förderlich oder eher blockierend für die Karriere ist?

Denn, wie oben erwähnt, würde Authentizität ja auch bedeuten, zu Schwächen zu stehen oder Emotionen zuzulassen. Und das wird auf der Arbeit nicht toleriert, oder?

Bei dem Thema Authentizität scheiden sich die Geister: Während die einen Experten empfehlen, bei der Arbeit eine Rolle zu spielen und sich die Authentizität für das Privatleben aufzusparen, sehen andere gerade hierin den Schlüssel zum Erfolg.

Viele Führungskräfte, vor allem die weiblichen, geben in Umfragen an, authentisch auftreten zu wollen. Kritiker hingegen, sehen die Authentizität im Berufsleben völlig fehl am Platz. Schließlich haben Mitarbeiter in leitenden Positionen eine Führungsrolle inne. Und das Wort spricht für sich selbst. Sieh Dich doch einmal in Deinem Unternehmen um: Empfindest Du die Führungskräfte dort als authentisch? Und bist Du es selbst?

Ich denke, dass nur Menschen, die authentisch zu ihrer Meinung und ihren Überzeugungen stehen und ihre Taten sowie Ziele daran ausrichten, andere Menschen begeistern und motivieren können oder schlichtweg respektiert werden. Es geht nicht um perfekt sein!

Kann man auch „zu authentisch“ sein?

„Zu authentisch“: Widerspricht sich das nun nicht eigentlich selbst?

Nein, denn genau hier müssen wir die Grenze zwischen Privat- und Berufsleben ziehen. Ein zu hohes Maß an Authentizität mag es im Privatleben vielleicht nicht geben, sehr wohl aber im Beruf.

Vor allem dann, wenn Du eine Führungsposition bekleidest, gibt es nämlich auch eine Grenze, ab welcher Authentizität fehl am Platz ist. Diese befindet sich bei Deinem  Privatleben: Deine Eheprobleme, Dein Kinderwunsch oder sonstige übergroße Offenheit bezüglich Deiner privaten Lebensumstände gehören nicht in den Job.

Zwar machen Dich diese Informationen als Person zugänglicher und als Führungskraft in den Augen Deiner Mitarbeiter vielleicht auch menschlicher, leider wird diese Art der Authentizität im Berufsleben aber auch immer noch allzu häufig als Schwäche gewertet und gnadenlos ausgenutzt. Im Job solltest Du deshalb eine neue Art der Authentizität für Dich finden: Eine berufliche Authentizität sozusagen, die zwar Deiner Persönlichkeit und Deiner Überzeugung entspricht, die gleichzeitig aber nicht zu viel aus Deinem Privatleben preisgibt.

Übrigens: Diesen Blogbeitrag kannst Du Dir auch als Video ansehen. Klicke einfach auf das Foto und Du wirst direkt zum Video weitergeleitet

Was bedeutet also „berufliche Authentizität“?

Wer im Beruf das Gefühl hat, jeden Tag eine Rolle spielen zu müssen, um anerkannt zu werden oder beruflich weiter zu kommen, wird meist auf Dauer nicht glücklich und sogar krank. Fünf, sechs oder sieben Tage in der Woche eine Rolle spielen zu müssen, für acht, neun oder auch elf Stunden am Tag: Das ist unglaublich anstrengend und endet deshalb nicht selten früher oder später im Burnout.

Beginne also am besten sofort damit, auch im Beruf authentisch zu sein:

  • Ein gesundes Selbstwertgefühl ist der Grundstein für Authentizität, wird durch diese aber gleichzeitig auch wieder gestärkt. Begib Dich in die positive Aufwärtsspirale aus Selbstbewußt- und Authentisch sein.
  • Die Selbstreflektion sollte Dich durch Dein gesamtes Leben begleiten, sowohl privat als auch beruflich. Hierzu gehört aber auch der Mut, sich schmerzhafte Erkenntnisse einzugestehen und Veränderungen im eigenen Leben oder an der eigenen Person vorzunehmen.
  • Werte und Überzeugungen sind der Grundstein Deines authentischen Handelns. Wofür stehst Du als Person? Wo sind Deine Grenzen? Stehst Du dafür ein, wirst Du Dir den Respekt Deiner Mitarbeiter verdienen.
  • Das bedeutet aber zugleich auch ein hohes Maß an Berechenbarkeit. Natürlich können sich Ziele, Überzeugungen oder sogar Werte im Laufe des Lebens weiterentwickeln oder ändern. Aber natürlich nicht von heute auf morgen. Bleibe daher bei Dir selbst, auch wenn Du auf Hindernisse stößt. So wissen Deine Mitarbeiter, wann sie auf Dich zählen können, wann Du wütend wirst, wann glücklich usw. Nichts ist schlimmer als ein Chef, der auf dasselbe Problem an einem Tag lächelnd und am nächsten cholerisch reagiert. Denn das ist ein untrügliches Zeichen für, entweder eine unreflektierte Authentizität oder aber eine gespielte Rolle, aus der die Person immer wieder ungewollt ausbricht.

Dauerhaft eine Rolle zu spielen, ist nämlich in der Regel nicht möglich.

Schlussendlich sind wir eben alle nur Menschen mit Emotionen, Ängsten, Schwächen und Bedürfnissen. Und spätestens in wirklich stressigen oder belastenden Situationen zeigen viele Menschen dann doch ihr wahres Gesicht. Spiele deshalb keine Rolle mehr, sondern entscheide Dich für die Authentizität. Lerne, zwischen beruflicher und privater Authentizität zu unterscheiden.

Du hast nach einer Krise, wie zum Beispiel einem Burnout begriffen, dass Du Dich nicht mehr verstellen und auch im Job Du selbst sein möchtest? Du kannst in Deinem Job oder Deinem beruflichen Umfeld nicht authentisch leben? Oder wenn Du authentisch bist, zweifelst Du plötzlich an der Wahl Deines Berufes oder des Unternehmens?

Dann sollten wir miteinander sprechen! Bewerbe Dich jetzt für ein kostenloses Strategie Gespräch. Hier findest Du mehr Informationen und kannst Dich direkt bewerben.

A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klienten ein. Dazu arbeitet sie mit Unternehmen an der Schaffung von gesunden Rahmenbedingungen, die zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und Motivation von Mitarbeitenden beitragen. Und sie zeigt Frauen in ihren Privaten Mentoring Programmen, wie sie sich ein BerufsLEBEN erschaffen, das wirklich zu ihnen paßt, sie ECHT sein und sie entlang ihrer Stärken und Werte leben und arbeiten läßt.

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