Ich persönlich finde die Lebenswege spannend, die Brüche haben, die Misserfolge beinhalten, in denen auch Scheitern vorkommt – vielleicht finde ich das aufgrund meiner Vergangenheit als Personalerin so spannend 😉. Aber ziemlich wahrscheinlich ist, dass es DIR genauso geht und Du eher Geschichten von Menschen hören und lesen magst, die interessant und eben so gar nicht stringent und langweilig sind.

Ich habe fantastische Menschen aus meinem Netzwerk gebeten, ihre Geschichte mit uns zu teilen. Menschen, deren Geschichten auch DIR Mut machen sollen, Deinen Weg zu gehen und auch bei vermeintlichen Rückschlägen wieder aufzustehen und weiter zu machen. Ganz so, wie im Beitragsbild – ohne Sturm und Regen, kein saftiges Grün!

Heute teilt Olaf Schwantes seine Geschichte mit uns:

Vom Verwaltungsbeamten zum Beziehungs-Coach in 3 Akten

Gerne folge ich der Einladung von Angelique darüber zu schreiben, was und welche Brüche mich zu meiner heutigen beruflichen Tätigkeit geführt haben.

Menschen, die mich heute kennen lernen, denken, dass ich sehr gradlinig meinen Weg gegangen bin. Dass der Beziehungs-Coach eine logische Folge war. Wenn ich von der heutigen Sicht darauf schaue, kann ich JA dazu sagen. Aber es war kein Plan …

Aber eins nach dem anderen. Aber keine Angst, ich gehe mit dir nicht durch all meine 48 Jahre 😉

Akt 1 – Meine Kindheit und Jugend

Ich bin an 5. Stelle geboren, meine Schwester ist leider nicht lebend zur Welt gekommen, dafür habe ich 3 ältere Brüder.

Die Ehe meiner Eltern war – so wie ich als Letztgeborener erlebt habe – in großen Teilen nicht schön. Sie haben sich gegenseitig verletzt und entwertet, was dazu führte, dass meine Mutter kurz vor meinem 10. Geburtstag mit mir auszog.

Raus aus meiner Geburtsstadt, weg von meinen Freunden, das 4. Schuljahr hatte da schon längst begonnen. Und so hatte ich gleich die Herausforderung, dass ich in einer fremden Stadt in einem seit über 3 Jahren bestehenden Klassenverbund kam …

Die ersten Frauengeschichten

Woran ich mich beim Schreiben gerade erinnere ist, dass ich mich da das erste und einzige Mal in meinem Leben geprügelt habe. Und ja, es ging um Mädchen … da gab es die verdammt süßen Zwillinge ;-).

In der Orientierungsstufe habe ich dann schnell neue Freunde gefunden, wir waren eine kleine Clique. Und irgendwie war ich da schon für alle der Ansprechpartner. Der, der immer ein offenes Ohr hatte. Ich war aber auch Außenseiter.

Die ersten Mädchen kamen dazu und na klar, es gab dann auch gleich Eifersüchteleien. Mein spätere Ex-Frau hatte sich erst für einen anderen aus unserer Clique entschieden … doch wenn ich eins bin, dann ausdauernd ;-).

Das Leben bietet uns eben auch viele 2. Chancen …

Früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen

Aber ich komme erst einmal auf eine ganz andere Geschichte zurück, meine Eltern: Als ich 14 war ist mein Vater verstorben, mit 16 meine Mutter.

Glücklicherweise hat ihr damaliger Partner dann aber für die letzten 2 Jahre die Vormundschaft für mich übernommen, so dass ich in meinem Umfeld bleiben konnte.

Da er aber 50 Jahre älter als ich war, war es keine leichte Zeit für uns beide. So habe ich früh die Sorge für mich selbst übernommen. Und hatte mit 17 ½ Jahren meine abgetrennte Wohnung für mich.

Bevor Du weiterließt – mit Olaf habe ich auch ein Interview geführt. Einfach auf das Bild klicken und Du wirst weitergeleitet:

 

Akt 2 – Sicherheit ist erst einmal wichtig

Als meine Mutter starb, war ich gerade in der 10. Klasse der Realschule. Mein Abschluss war so lala und dank meiner Vermieterin habe ich damals eine Stelle für die Ausbildung als Verwaltungsfachangestellter in einer Stadtverwaltung bekommen.

3 Jahre später nach erfolgreicher Prüfung gab es nur befristete Verträge. Wie bei den Azubis davor auch. Und die wurden immer weiter befristet.

Deswegen habe ich mich damals dazu entschieden, mein Fachabitur zu machen. Zumal ich in dem Beruf relativ schnell das maximal Mögliche erreicht hätte.

Ein Jahr später begann ich das duale Studium zum Diplom-Verwaltungswirt. Das war 1990. 3 Jahre später war ich fertig und wurde verbeamtet, mit 27 dann sogar auf Lebenszeit 😉

Ich war in einer großen Verwaltung, hatte viel Freiheit in meiner Tätigkeit und musste/durfte mich selbst einarbeiten.

Das war übrigens bei all meinen Tätigkeiten so, also eine verbindende Klammer, was mir in meiner heutigen Selbständigkeit sehr hilft.

Ich habe schnell Karriere gemacht, hatte mit 35 alles erreicht, was zu dem Zeitpunkt möglich war.

Karriere vor Beziehung

Die Beziehung war aber in gehöriger Schieflage, denn auch meine damalige Partnerin hatte sich beruflich sehr weiterentwickelt.

Darüber haben wir uns verloren, Seitensprünge kamen dazu, weil wir es nicht geschafft haben, ernsthaft miteinander zu reden. So gelangten wir im Juli 2000 bei einer Familienaufstellung. Für mich als Kopfmensch zunächst absolutes Theater …

Das Systemische kam in mein Leben

Bis zum 3. Tag des Seminars. Da wollte ich mehr. 1 Woche Selbsterfahrung später machte ich meiner Partnerin einen Heiratsantrag. Und schwubs, im folgenden Jahr heirateten wir.

Und wir hatten beide Feuer gefangen: 3 Jahre systemische Ausbildung. Und da wir rechtlich auf der sicheren Seite sein wollten, folgte gleich noch der Heilpraktiker für Psychotherapie.

Anfang 2005 waren wir fertig. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn wir haben das alles nebenberuflich gemacht. Wir hatten beide Führungspositionen inne. Und uns mittlerweile ein viel zu großes Haus mit noch mehr Arbeit – weil alt und mit riesigem Reparaturstau – gekauft. Kinder wollten bei uns nicht kommen und während wir im Kinderwunschzentrum waren, „lief“ meine damalige Frau in einen Burn-Out. Klinikaufenthalt und na klar, der Klassiker: Ein neuer Mann trat in ihr Leben, den sie später heiratete.

Scheidung im Guten – da hat uns unsere therapeutische Ausbildung sehr bei geholfen. Hausverkauf. Neubeginn. Seminarismus folgten bei mir.

Wer bin ich und was will ich?

Gefühlt bin ich da aufgewacht und hab mich auf die Reise gemacht. Zu mir selbst. Habe mich selbst erfahren.

Auch bei einem Tantra-Seminar, was ich immer noch als sehr wertvolle Erfahrung in meiner Arbeit in mir trage. Nun stand ich 2008 an einem Scheideweg. Bis dahin hatte ich nebenberuflich Aufstellungsseminare angeboten. Und habe mich gefragt „Ist es ein Hobby oder ist es mehr?“

Türen öffnen sich

Mitte 2009 ist bei pro familia eine Stelle als Paar- und Sexualberater ausgeschrieben. Zwar erfülle ich viele der gewünschten „Einstellungsvoraussetzungen“ nicht, da es aber nur um 10 Stunden wöchentlich ging und ich persönlich überzeugen konnte, fiel die Wahl auf mich.

Neben meiner Vollzeittätigkeit.

Nach einem halben Jahr war klar, es muss sich was ändern. Mit Widerstand hätte ich in meiner alten Tätigkeit befristet Teilzeit arbeiten können. Es wäre bequem gewesen. Doch ich wollte nicht mehr.

Doppelter Neubeginn

2010 habe ich meine Tätigkeit bei pro familia beendet und zeitgleich meine Praxis eröffnet.

2 Monate später habe ich an der kommunalen Hochschule als Hochschuldozent und Fachkoordinator für Arbeitsrecht und Beamtenrecht als Elternzeitvertretung begonnen. Auch hier entsprach ich übrigens nicht ganz dem gesuchten Profil, hatte mir aber einen Expertenstatus im Beamtenrecht aufgebaut.

Auch hier durfte ich mir so ziemlich alles selbst aneignen. Beim Beamtenrecht kein Problem, aber Arbeitsrecht war in der Tiefe noch neu für mich.

Die fast 3 Jahre waren ein Spagat. Aber eine tolle Zeit, da ich alle Freiheiten (im Rahmen des Lehrplans) hatte. Und sogar ein mündliches Auswahlverfahren für angehende Studenten entwickeln konnte, was ich auch heute noch in kleinem Umfang für öffentliche Verwaltungen anbiete.

2013 habe ich dann noch ein Jahr bei Sabine Asgodom die neue Ausbildung im lösungsorientieren Kurz-Coaching absolviert – einer ihrer Pioniere.

Akt 3 – Endgültiger Abschied aus der „Sicherheit“

Ich hätte früher gehen sollen, da mich der Spagat viel Kraft gekostet hat. Doch Ende Juli 2013 habe ich meinen Vertrag an der Hochschule auslaufen lassen. Und ein verlockendes Angebot ausgeschlagen …

Denn ich wusste nun sehr klar, was ich wollte.

Traure bloß keinem Geld nach

Ich habe gelernt, Geld für mich und meine Weiterentwicklung in die Hand zu nehmen. Und wenn ich von etwas überzeugt war, dann darf es auch etwas kosten, denn ich investiere in mich.

Natürlich habe ich dabei auch Bauchlandungen erlebt. Und Geld „vernichtet“ … Doch es ging immer irgendwie mindestens einen Schritt weiter.

Doch am Ende hat mir alles dabei geholfen, dahin zu kommen, dass ich die ganzen Angebote da draußen als großes Buffet verstehe. Und ich picke mir das raus, was zu mir passt und mir schmeckt.

Wäre ich ohne die Brüche dort wo ich bin?

Definitiv nein!

Die Brüche in meinem Leben haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Mit all den Erfahrungen. Und genau deswegen kommen die Menschen zu mir, die zu mir kommen.

Denn Beziehungsexperten gibt es wie Sand am Meer. Doch jeder hat seine Feinheiten. Und so kann ich nicht zu jedem passen.

Zu mir kommen mittlerweile viele Führungskräfte in höheren Positionen oder Unternehmer. Denn das war und bin ich selbst. Und von daher stelle ich viele Dinge gar nicht in Frage, wie z.B. bei der zur Verfügung stehenden Zeit.

Da ist es mir dann wichtig, zu schauen, wie dabei die Beziehung keinen Schiffbruch erleidet. Und selbst wenn es nur eine halbe Stunde pro Woche Zeit für die Beziehungspflege gibt.

Mein Schwerpunkt hat sich gerade noch einmal so richtig herausgestellt: Frischer Wind für langjährige Beziehungen. Dafür trete ich an.

Denn ich wollte von Anfang an erreichen, dass Paare frühzeitig etwas für Ihre Partnerschaft tun. Beziehungsprophylaxe sozusagen betreiben.

Obwohl mich viele dafür belächelt haben, denn als Paar müsste es ja erst schmerzen, bevor wir handeln. Mag sein, habe ich damals auch nicht viel „besser“ gemacht. Doch genau das ist meine Motivation, deswegen bin ich bereit dicke Bretter zu bohren.

Denn ich bin davon überzeugt, dass viele Trennungen gar nicht notwendig wären, wenn die Paare

  • für sich gemeinsam und jeder für sich eine Vision entwickeln, wie und was sie gemeinsam in (oder auch außerhalb) ihrer Beziehung leben wollen
  • es trotzt aller Emotionen schaffen, offen und ehrlich miteinander zu sprechen – ich liebe Klartext
  • ins Handeln kommen und nicht nur Lippenbekenntnisse abgeben
  • sich genießen und gemeinsam feiern, was sie miteinander geschafft haben.

Also kann ich dich nur ermutigen, deine Brüche im Leben als deine Kraftquelle zu erkennen oder zu entdecken.

Denn ich wünsche dir wirklich von Herzen die beste Beziehung deines Lebens!

 

Danke an Olaf, für diese wunderbare und Mut machende Geschichte.

Möchtest Du mehr über Olaf Schwantes erfahren. Dann folge diesem Link zu seiner Homepage https://www.olaf-schwantes.de/

Wenn auch Du Deine berufliche Geschichte „NEU“ schreiben möchtest, wenn Du Dir nach einem Bruch in Deinem Leben wieder Stabilität für Dein BerufsLEBEN wünschst und dabei meine Unterstützung haben möchtest, nimm Kontakt zu mir auf und wir besprechen, wie Deine nächsten Schritte aussehen können.

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A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klientinnen ein. Dazu zeigt sie "ihren" Frauen in verschiedenen Programmen, wie sie ANDERS arbeiten können: Entlang ihrer Stärken, zufrieden & motiviert.

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