Ich persönlich finde die Lebenswege spannend, die Brüche haben, die Misserfolge beinhalten, in denen auch Scheitern vorkommt – vielleicht finde ich das aufgrund meiner Vergangenheit als Personalerin so spannend 😉. Aber ziemlich wahrscheinlich ist, dass es DIR genauso geht und Du eher Geschichten von Menschen hören und lesen magst, die interessant und eben so gar nicht stringent und langweilig sind.

Ich habe fantastische Menschen aus meinem Netzwerk gebeten, ihre Geschichte mit uns zu teilen. Menschen, deren Geschichten auch DIR Mut machen sollen, Deinen Weg zu gehen und auch bei vermeintlichen Rückschlägen wieder aufzustehen und weiter zu machen. Ganz so, wie im Beitragsbild – ohne Sturm und Regen, kein saftiges Grün!

Heute teilt Petra Manthey-Petersen ihre Geschichte mit uns:

Die liebe Angélique hat mich zu ihrer Blogparade eingeladen. Diese Einladung nehme ich gerne an und erzähle etwas über meine beruflichen Stationen, meine Niederlagen und Brüche im Lebenslauf 😉.

Seit mehr als 30 Jahren bin ich nun beruflich unterwegs – wow, was für eine Zeitspanne! Lief immer alles glatt und gradlinig? Mitnichten! Mein beruflicher Weg ist geprägt von Aufs und Abs, von „Gehen oder Bleiben“ und davon, dass es auf den ersten Blick scheinbar keinen roten Faden gibt. Auf den zweiten natürlich schon 😉

 

 

1) Wie ist es dazu gekommen, dass du heute tust, was du tust?

Wie alles begann …

Während der Abiturphase wusste ich nicht wirklich, was ich nach der Schule machen sollte. Ein paar Berufswünsche waren da (z.B. Tierärztin, oder „was mit Theater“), aber es gab auch Gründe dagegen (z.B. meine Allergien und viele hinderliche Glaubenssätze). Das einzige, was ich sicher wusste, war, dass ich möglichst schnell unabhängig von finanziellen Mitteln anderer sein wollte. Und zwar mit „richtigen“ Jobs, also nicht für 3,– DM als Aushilfe bei McD oder so was. Das schloss ein Studium direkt nach der Schule aus, daher entschied ich mich für eine solide kaufmännische Ausbildung in einem großen amerikanischen Unternehmen (in Deutschland).

Alle weiteren Schritte bis zu meiner heutigen Tätigkeit als Coach für Menschen im beruflichen Kontext waren nicht wirklich immer geplant, vorhersehbar und auch nicht immer logisch. Rückblickend betrachtet gaben sie mir aber genau die Kompetenzen und Erfahrungen, die mir heute helfen, mich in meine Kunden hineinzudenken und zu -fühlen.

2) Was ist dein berufliches „Warum“?

So, wie es verschiedene berufliche Stationen gab und gibt, änderten sich auch meine Warums immer wieder. Beziehungsweise die Prioritäten verschoben sich auch.

Mein erstes „Warum“ war der Wunsch nach Unabhängigkeit. Ich begann eine Ausbildung, die mich inhaltlich sehr schnell langweilte. Nach einem halben Jahr war ich – ZACK – schwanger. Mit 20. (Heute habe ich die Vermutung, es war mein unbewusster Wunsch, aus der ungeliebten Büroarbeit wegzukommen.) Nach einem Jahr Elternzeit stieg ich trotzdem wieder in die Ausbildung ein und beendete sie auch. Mein Wunsch nach Unabhängigkeit, jetzt auch noch mit Kind, war immer noch groß genug, um durchzuhalten.

Ein bisschen habe ich danach im Bereich Personalentwicklung gearbeitet. Bis ich den Entschluss fasste: Endlich studieren! Herzensfach Biologie. Mein Umfeld verstand das nicht. BWL wäre doch viel naheliegender gewesen. Aber mein Warum, das Leben verstehen zu wollen und mit diesem Wissen Gutes in die Welt bringen zu können, trug mich durch die Jahre, Widerstände und Prüfungen.

Nebenbei habe ich immer für den Lebensunterhalt von Sohn und mir gearbeitet. In Büros 😉. z.B. als Sekretariatsvertretung in einer großen Kanzlei. In diesen Jahren hat sich also meine Ausbildung tatsächlich bezahlt gemacht.

Nach dem Studium verschlug es mich als Diplom-Biologin dann aus der Großstadt auf eine kleine Nordseeinsel. Romantische Vorstellung von Arbeiten in der Natur mit Kindern und Jugendlichen. Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Mein Warum: den Kids die Wunder der Natur nahe bringen und selber viel in der Natur sein.

Bevor Du weiterließt – mit Petra habe ich auch ein Interview geführt. Klicke auf das Bild und Du wirst automatisch weitergeleitet:

Es folgte der harte Aufprall in der Realität. Keine Ausflüge in die Natur, dafür Bettenmachen und Snacks verkaufen in der Herberge. Leben auf 16 Quadratmetern mit Sohn. 24 Stunden Anwesenheitspflicht. Streit mit Chef um Bezahlung (die nicht kam).

Mein Learning: Kapitalismusregeln auf einer Insel sind hart; wichtig ist nur, was unmittelbar Geld bringt.

Ich kündigte fristlos und sattelte aus der Not heraus (mit Verlust der Arbeit verlor ich auch unser Zimmer) um auf Betreuung von Ferienwohnungen (was hauptsächlich putzen bedeutete). Mein Warum: überleben. Nach Saisonende wieder zurück aufs Festland.

Es folgte ein körperlicher und seelischer Zusammenbruch, dem ich heute das Etikett Burnout geben würde. Nach Wochen und Monaten des Wiederaufrappelns fand ich meinen ersten Job als Freiberuflerin, selbständig. Keine spannende Arbeit, aber für eine gute, sinnvolle Sache, Thema Nachhaltigkeit in Städten. Es war mein Versuch, monetäre Notwendigkeiten mit Sinn zu verknüpfen, also zwei Warums.

Nach Projektende zog mich mein dann aktuelles Warum in die „Sicherheit“ einer Anstellung. In den folgenden Jobs ging es mir darum, eigenständig mit meinem Sohn leben zu können, vielleicht mit ein paar Extras hier und da. Genug Geld für uns und Zeit für ihn. Meine Büroerfahrungen kamen mir hier wieder zugute, und ich hoffte, dass mein Warum stark genug sein würde, mich durch die langweiligen Inhalte und das Gefesselt Sein im Büro zu bringen.

Im letzten Job in dieser Reihe ging ich nach der Probezeit. Auch hier gibt es ein Warum: weil ich den Umgang der Chefin mit mir und untereinander nicht mehr mit meinen Werten vereinbaren konnte.

Ich begab mich bewusst in die Arbeitslosigkeit, um mich zu sortieren, und nahm die Möglichkeit eines Profil -und Karrierecoachings wahr. Meine Neuausrichtung ging „endlich“ wieder in Richtung Natur 😃. Mit dem großen Warum, Menschen die Natur nahezubringen und damit die Welt ein Stück zu retten als Antrieb, gründete ich eine Ich-AG (hieß damals so) im Bereich Umweltbildung. Es folgten 11 Jahre Selbständigkeit als Dozentin und Lehrerin. Es war anstrengend und gab wenig Geld, aber ich war meistens glücklich. In diese Zeit fallen auch meine Weiterbildung zur Natur- und Wildnispädagogin und die Ausbildung zum Personal Coach. Ein Warum hierfür: ich lerne gern 😃. Neben der Umweltbildung betrieb ich meine kleine Coachingpraxis zur Burnoutprävention.

Der nächste große Bruch kam durch Wegfall eines großen Kunden und eigene Fehl-(?) Entscheidungen: ich war pleite. Also hieß es wieder mal: Umorientierung. Ein Warum: finanziell wieder Fuß fassen und Harmonie in meiner Beziehung. Nun bin ich seit fast drei Jahren als Jobcoach angestellt und habe nebenbei weiter meine eigene Praxis.

Weil das Projekt Jobcoaching im Frühjahr 2018 endet, werde ich meine Anstellung dann wieder los sein, und wieder wird es einen Bruch geben 😮. Ich bin gespannt, wohin es mich diesmal treibt 😉 Mein Warum „Sicherheit“ ist nicht mehr so groß, dafür wachsen die Warums „Freiheit“ und „Sinn“.

3) Inwiefern haben „Brüche“ im Leben dazu beigetragen, dass du heute bist, wer du bist und wo du beruflich bist?

Die erlebten Brüche und auch vermeintlichen Niederlagen im Berufsleben haben mir immer wieder neue Welten eröffnet. Ich kann mich in viele berufliche Situationen hineindenken, sei es als Angestellte oder Selbständige, sei es in große oder kleine Firmen, in homogene oder stark ungleiche Teams. Ich bin nicht mehr so schnell im Urteilen wie früher, weil ich weiß, wie unterschiedlich die Motive, Wünsche und Antreiber von Menschen sind. Auch habe ich eine viel größere Bandbreite an Kompetenzen und verknüpfe so z.B. berufliches Coaching mit Naturarbeit. Was mir ein größeres Spektrum an Möglichkeiten bietet.

Ich habe mich entwickelt, bin an den Schwierigkeiten gewachsen und habe mich selbst immer besser kennengelernt. Meine „Warums“ kenne ich viel genauer als früher 😉.

Außerdem begegne ich beruflichen Veränderungen heute gelassener, seien sie von mir selbst inszeniert oder von Außen bedingt. Denn ich weiß, dass es immer irgendwie weitergeht, dass ich durch dunkle Phasen auch Dank meiner vielen Erfahrungen durchkomme. Ich weiß, manchmal muss man durchhalten, und manchmal muss man gehen. Und ich sehe die Chancen, die jeder Umbruch mit sich bringt, sei er auch erstmal unbequem. Irgendwie machen Brüche auch frei 😃 .

Würde ich alles wieder genauso machen? Sicherlich nicht, mit meinen heutigen Erfahrungen. Würde ich also auf die „Abs“ im Beruf verzichten wollen? Nein, denn sie machen mich, wahrscheinlich mehr als die „runden Phasen“, zu der Person, die ich heute bin. Beruflich und menschlich.

 

Danke an Petra, für diese wunderbare und Mut machende Geschichte.

Möchtest Du mehr über Petra Manthey-Petersen erfahren. Dann folge diesem Link zu ihrer Homepage www.petra-manthey.de

Wenn auch Du Deine berufliche Geschichte „NEU“ schreiben möchtest, wenn Du Dir nach einem Bruch in Deinem Leben wieder Stabilität für Dein BerufsLEBEN wünschst und dabei meine Unterstützung haben möchtest, nimm Kontakt zu mir auf und wir besprechen, wie Deine nächsten Schritte aussehen können.

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A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klientinnen ein. Dazu zeigt sie "ihren" Frauen in verschiedenen Programmen, wie sie ANDERS arbeiten können: Entlang ihrer Stärken, zufrieden & motiviert.

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