Ich persönlich finde die Lebenswege spannend, die Brüche haben, die Misserfolge beinhalten, in denen auch Scheitern vorkommt – vielleicht finde ich das aufgrund meiner Vergangenheit als Personalerin so spannend 😉. Aber ziemlich wahrscheinlich ist, dass es DIR genauso geht und Du eher Geschichten von Menschen hören und lesen magst, die interessant und eben so gar nicht stringent und langweilig sind.

Ich habe fantastische Menschen aus meinem Netzwerk gebeten, ihre Geschichte mit uns zu teilen. Menschen, deren Geschichten auch DIR Mut machen sollen, Deinen Weg zu gehen und auch bei vermeintlichen Rückschlägen wieder aufzustehen und weiter zu machen. Ganz so, wie im Beitragsbild – ohne Sturm und Regen, kein saftiges Grün!

Heute teilt Brigitte Hettenkofer ihre Geschichte mit uns:

Von der katholischen Theologin zur Business-Trainerin

Nach dem Abitur wusste ich nicht so recht, was ich machen soll. Eins war klar, ich will nach München zum Studieren. Davon habe ich schon als kleines Mädchen geträumt.

Endlich habe ich das Abitur in der Tasche und jetzt kann das Abenteuer im schönen München beginnen. Nur – was soll ich studieren? Ich weiß es nicht. Erst will ich Lehrerin werden. Alle raten mir ab, da gerade wieder Lehrerschwemme ist. Der Jugendpfarrer an meinem Heimatort stuppst mich auf die Idee, einen kirchlichen Beruf anzusteuern. So marschiere ich los und mache mich schlau, was es für mich als Frau für Möglichkeiten gibt. Und siehe da, es gibt sie. Ich kann sogar das Diplom in Theologie erlangen und anschließend als Laientheologin in der Kirche arbeiten. Das ist für mich eine reizvolle Vorstellung.

Mein Vater hat die Hände über den Kopf zusammengeschlagen: Seine Tochter und Theologie! Aus seiner Sicht war ich nicht brav genug. Ich entscheide mich trotzdem dafür und voller Eifer starte ich dieses Studium.

Die ersten Jahre bin ich mit meiner Wahl sehr zufrieden. Ich finde schnell Freunde und Freundinnen. Neben dem Studium an der Uni investiert die Kirche in eine gute Ausbildung ihrer zukünftigen Mitarbeiter/-innen. Ich bekomme eine kirchliche Ausbildung, die richtig gut ist. Für diese Ausbildung bin ich heute noch dankbar. Es geht vor allem um Persönlichkeitsbildung und um Spiritualität. Von meiner Mentorin lerne ich die Zen-Meditation und so manches wichtige Thema kann ich mit ihr besprechen.

Dann kommt die feministische Theologie in Deutschland an. Die ersten Bücher aus den Staaten und von den Niederlanden werden ins Deutsche übersetzt. Es gibt erste mutige Theologinnen, die das patriarchale System der Kirche hinterfragen. Wir in München gründen eine Frauengruppe und lesen gemeinsam diese Bücher. Ich war bei diesem Thema immer vorne dabei. An der Uni wird kaum was angeboten.

Ab da fange ich an zu zweifeln, finde ich als Frau wirklich in der Kirche meine berufliche Heimat. Nebenbei jobbe ich im Frauenhaus. Es schmerzt mich zu erleben, was Frauen mit sich machen lassen. In mir entwickelt sich immer stärker eine frauenbewusste Haltung. Ich beende das Studium und kann mir nicht vorstellen, in der Kirche zu arbeiten. Mein Diplom in der Tasche weiß ich wieder mal nicht, wohin mit mir. Ich verdiene mir den Lebensunterhalt im ADAC-Verlag. Doch das kann es nicht sein.

Da kommt ein Angebot – Religionslehrerin an der Schule für Gehörlose in München. Mit einer ambivalenten Haltung gehe ich in die Schule. Die gehörlosen Kinder und Jugendlichen mag ich, die Inhalte umso weniger. Ich strenge mich an und so wird es richtig anstrengend. Recht schnell stellen sich massive Schlafstörungen ein und immer wiederkehrende Infekte. Erschöpfung und Lustlosigkeit sind meine ständigen Begleiter. So stelle ich mir mein Leben als junge Frau nicht vor.

Mit professioneller Unterstützung schaffe ich es, meine Arbeit gegen heftigen Widerstand aus meinem Umfeld zu kündigen.

Ich entdecke eine einjährige Weiterbildung zur Soziotherapeutin. Eins ist klar, ich will mit Menschen arbeiten. Vom Arbeitsamt unterstützt verlasse ich mein geliebtes Bayern und ziehe nach Fritzlar. Fritzlar ist ein nettes kleines Städtchen in der Nähe von Kassel. Voller Elan stürze ich mich in die Fortbildung. Begierig sauge ich alles auf, was mir beigebracht wird. Meine große Hoffnung ist, dass mir diese Weiterbildung die Tür in das psychotherapeutische Feld öffnet.

Das kommt auch so, auch wenn es eine ganze Weile braucht, bis ich endlich eine Arbeitsstelle finde. Meine erste Station ist eine Suchtklinik. Von da aus geht es weiter in zwei psychosomatischen Fachkliniken. Berufsbegleitend absolviere ich so manche spannende Fortbildung. Ich bin von meinem neuen Betätigungsfeld begeistert. Ich fühle mich angekommen.

Nach so einigen Jahren kommt die nächste Herausforderung, man könnte es auch Bruch nennen. Die Kostenträger wollen sparen – Betten bleiben leer. Die ersten Kolleg/-innen müssen gehen – werden gekündigt. Ich kann bleiben, weil ich alleine die Kreativtherapie-Bereich besetze. Doch Freude macht die Arbeit nicht mehr. Ich habe ganz wenig zu tun und es werden andere Patienten aufgenommen. Mir fehlt das Fachwissen.

Ich stehe wieder vor der Frage: Was mache ich jetzt? Bleiben oder gehen? Wenn gehen, dann wohin? Die Stellensituation auf dem Markt sieht schlecht aus.

Nach einigem hin und her entscheide ich den Schritt in die Selbständigkeit. Mit ein paar Ideen im Koffer ziehe ich los. Zum Glück gibt es vom Arbeitsamt Unterstützung. Mir wird klar, in welchem wunderbaren Land ich lebe. Für so vieles gibt es Unterstützung. Ich bin sehr dankbar dafür.

Ich mache mich mit einer psychotherapeutischen Praxis selbständig, lasse mich coachen und erste Klienten kommen. Doch die Klienten kommen nicht in Scharen. Es reicht nicht, davon zu leben. So fange ich an, Seminar in der VHS zu geben und auch einige selbstorganisierte Seminare stelle ich auf die Beine. Es reicht immer noch nicht. Die Tagessätze der VHS sind gerade nicht berauschend und meine Idee, über die VHS-Seminare neue Klienten zu gewinnen, ging nicht auf.

Wieder stehe ich vor einer neuen Herausforderung. Erstmal suche ich mir einen Job, der mir ein Grundeinkommen sichert und eine Krankenversicherung. Ich baue weiter meine Selbständigkeit auf, auch wenn es anstrengend ist. Glücklicherweise bin ich mit Ausdauer gesegnet.

Ich will ehrlich sein, es hat ganz schön gedauert bis ich ganz von meiner Selbständigkeit leben konnte. Doch jetzt lebe ich mittlerweile schon viele Jahre von meiner Selbständigkeit. Was mich noch mehr freut, ich habe mein Herzensthema gefunden. Ich konnte schon vielen Menschen helfen, mit ihrem alltäglichen Stress gesund umzugehen. Führungskräften bringe ich bei, wie ein gesundheitsorientierter Führungsstil geht. Das erfüllt mich zutiefst und darüber bin ich dankbar.

Da ich keine Hellseherin bin, weiß ich nicht, was mir das Leben noch zu bieten hat. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die eine oder andere Hürde noch auf mich zukommen wird.

Wenn ich auf mein Berufsleben zurückblicke, bin ich stolz auf mich. Ich habe meinen Weg mit vielen Kurven und ungewöhnlichen Abzweigen gefunden. Mein berufliches Wirken erlebe ich sinnerfüllt und ich arbeite gerne.

Ich will mit meinem Beitrag jeder Leserin und jedem Leser Mut machen, auf die innere Stimme zu hören und dann heißt es, den Kurs immer wieder zu korrigieren und dranbleiben – dranbleiben und nochmal dranbleiben.

Danke an Brigitte Hettenkofer, für diese wunderbare und Mut machende Geschichte.

Möchtest Du mehr über Brigitte Hettenkofer erfahren. Dann folge diesem Link zu ihrer Homepage http://www.brigittehettenkofer.de/

Wenn auch Du Deine berufliche Geschichte „NEU“ schreiben möchtest, wenn Du Dir nach einem Bruch in Deinem Leben wieder Stabilität für Dein BerufsLEBEN wünschst und dabei meine Unterstützung haben möchtest, nimm Kontakt zu mir auf und wir besprechen, wie Deine nächsten Schritte aussehen können.

Mehr Tipps, Artikel und Webinareinladungen für Dein gesundes BerufsLEBEN gibt es monatlich direkt in Dein Postfach, wenn Du magst. Einfach hier Deine eMail Adresse eintragen und auf „Absenden“ klicken.  Eine Abmeldung ist jederzeit möglich!

 

A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klientinnen ein. Dazu zeigt sie "ihren" Frauen in verschiedenen Programmen, wie sie ANDERS arbeiten können: Entlang ihrer Stärken, zufrieden & motiviert.

More Posts

Follow Me:
Flickr

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.