Ich persönlich finde die Lebenswege spannend, die Brüche haben, die Misserfolge beinhalten, in denen auch Scheitern vorkommt – vielleicht finde ich das aufgrund meiner Vergangenheit als Personalerin so spannend 😉. Aber ziemlich wahrscheinlich ist, dass es DIR genauso geht und Du eher Geschichten von Menschen hören und lesen magst, die interessant und eben so gar nicht stringent und langweilig sind.

Ich habe fantastische Menschen aus meinem Netzwerk gebeten, ihre Geschichte mit uns zu teilen. Menschen, deren Geschichten auch DIR Mut machen sollen, Deinen Weg zu gehen und auch bei vermeintlichen Rückschlägen wieder aufzustehen und weiter zu machen. Ganz so, wie im Beitragsbild – ohne Sturm und Regen, kein saftiges Grün!

Heute teilt Dagmar Thiel ihre Geschichte mit uns:

Wie kann man erfolgreich sein, und dennoch gut leben?

Gut leben, in dem man keine Angst um sein Einkommen hat und sich frei einbringen kann.

Diese Frage hat mich seit meiner Kindheit beschäftigt. Und jede meiner Stationen meines bunten Lebenslaufes war ein Puzzlestein auf meinem Weg und der Punkt, wo ich heute stehe.

 

Ich komme aus einem Unternehmerhaushalt und da ging es stets um den Erfolg der neu aufgebauten Firma. Der ständige Stress, ob Aufträge hereinkommen, wie man die Firma voranbringen kann, wurde auf alle Beteiligten abgeladen. Für leckeres Essen war nicht genug Geld da, aber der Mercedes stand vor der Tür – Reputationspflichten, versteht sich.  Das war anscheinend der Preis von Erfolg. Das war nicht schön.

Aber es musste doch eine Lösung geben. Wie funktioniert die Welt, wie das mit dem Menschen und dem Erfolg. Das wollte ich lernen.

So wollte ich Psychologie studieren. Dann würde ich mehr verstehen. Aber wo würde ich anschließend arbeiten?

In Kliniken, wo Menschen sind, die es nicht geschafft hatten, oder in der Wirtschaft, wo ich dann mein Wissen dazu einsetzen würde, um Menschen zu manipulieren, damit sie das tun, was sie hinterher kaputt macht? Nein, das konnte es nicht sein.

Aber Psychologie für die Schule, ja, das fühlte sich gut an. Lehramt, Wissen weitergeben. Meinen Beitrag leisten für eine stressfreie und freiere Welt. Leider wurde die Idee Psychologie als Schulfach zurückgezogen, und ich mußte überlegen, welche Fächer ich stattdessen nehme.

Was hat mit dem Menschen zu tun, mit welchen Inhalten kann ich mein Ziel verfolgen? Ich kam auf Religion und Biologie. Ob es einen Gott gibt, ist Glaubenssache, aber es hat mit dem Menschen und seiner Suche nach Sinn zu tun. Und egal, ob alles Energie ist, wir haben auch noch den Körper. So hatte ich beide Seiten.

Damals hatten sich noch Natur- und Geisteswissenschaft richtig in den Haaren. Und ich saß zwischen den Stühlen. Aber das war mir egal, da es sich trotzdem stimmig anfühlte. Viele bunte Puzzlesteine, die sich für mich zu einem Bild zusammenfügten. Ja, so konnte ich etwas bewegen.

Die Realität als Lehrerin sah jedoch anders aus. Eingepfercht in Vorgaben, Kontrollen, Erwartungen. Nein, ich bin kein Quertreiber, aber dauernde Wiedersinnigkeiten machen mich kaputt. Ich war noch nie so gut in einem übermäßig großen Spagat, egal wie ich geübt habe.

7 Jahre Studium, Referendariat, Dienst einfach aufgeben? Ich habe mich damit schwer getan.  Aber ich wollte mich noch nicht mehr verlieren. Aber was nun?

Dann mache ich etwas ganz anderes. Etwas, was sicher ist, gebraucht und mit Perspektiven, die offen sind. Internet, Computer, Programmierung. Nicht mein Leibgericht, aber als ich nach gutem Abschluss der Umschulung und 96 Absagen von noch handgetippten Bewerbungen eine Stelle bei Lufthansa in der Ablaufsteuerung bekam dachte ich, nun bin ich da. Bindeglied zwischen EDV-Abteilung und Werkstatt. Alles, damit die Flieger gut gewartet werden und nicht vom Himmel fallen.

Unterschiedliche Abteilungen verbinden, da hatte ich ja Übung drin. Nur „ Wir haben das bisher immer so gemacht, das hat sich bewährt. Sollen die da oben doch mal“ gegen „ Die müssen die Neuerungen mitmachen, denn wir haben ja die Ahnung“. Mein Scheitern war vorprogrammiert. Und doch dauerte es 2 Jahre, bis ein Autounfall mir den Schlag ins Genick brachte. Frau Thiel, wach mal auf. Das tat ich und kündigte.

Die Suche ging weiter, viele Klinken, die ich geputzt habe, bis ich die Chance als Praktikantin in einer Reha- Einrichtung für Drogenabhängige bekam

Hier fand ich zunächst mein berufliches zu Hause, konnte ich mich mit meinen Fähigkeiten bei den unterschiedlichsten Aspekten von Stress, psychischen Überlebensstrategien und Wege aus einer Krise einbringen.

Viele Fort- und Weiterbildungen erweiterten in den fast 20 Jahren meine Kenntnisse und Möglichkeiten. Auch wenn die Arbeit in den vorhandenen Strukturen und mit dem Klientel alles andere als einfach war, konnte ich sie für mich als sinnvoll und erfüllend finden.

Nicht zuletzt, weil ich stets darauf achtete, für mich durch meine Hobbies (Tanz, Fotografie und Reisen) und andere Projekte einen Ausgleich zu schaffen.

Burn-Out? Ich doch nicht!

Die Veränderung kam schleichend. Äußere strukturelle Veränderungen stellten zunehmend den Sinn der Arbeit in Frage. Aber noch dachte ich, ich könnte mich damit arrangieren und durch verstärkten Einsatz oder andere Maßnahmen die Situation verändern. Dass dies nicht so wirklich funktionierte merkte ich erst, als ich die Freude an meinen meist selbst geplanten Reisen verlor. Wenn ich für das, was mir immer wichtig was nicht mehr genügend Energie habe, dann läuft etwas schief.

Ich begann über Alternativen nach zu denken. Anlass war eine Reise auf die kapverdischen Inseln. Über einen Urlaub, eine geführte Wanderreise, Menschen wieder einen Weg zu sich finden zu lassen, war die Idee für ein neues Konzept, das ich in den nächsten Jahren vorantrieb und den Wunsch in mir bestärkte, mehr im Bereich der Vorsorge tätig sein zu.

Diese Perspektive lenkte mich von der zunehmend nervigen Arbeit ab, gab neue Impulse, auch wenn die Arbeit dann bis in die Nächte hinein weiter ging. So baute ich nebenbei eine eigene Praxis auf und begann in die Öffentlichkeit mit dem Thema Burnout-Prävention zu gehen. Es beseelte mich, gab Freude und auch eine neue Herausforderung.

Zu der Zeit war das Thema noch nicht so in aller Munde und es gab unterschiedlichste Ansätze, die ich für mich nicht befriedigend fand. Ich suchte nach einem Faden, nach plausiblen Erklärungen, die ich vermitteln konnte. So suchte, recherchierte ich bis in die Morgenstunden, nahm die Fragen mit in den meist nicht mehr wirklich vorhandenen Schlaf. Meine Hobbies und meine Freunde mussten halt warten bis…

Natürlich bemerkte ich, dass die Gedanken nicht mehr so einfach flossen, aber ich stand ja kurz vor dem Durchbruch.

Der kam dann auch, aber anders als erwartet:

Als ich die Stadien des Weges zum Burn-Out durcharbeitete stellte ich anhand der Symptome fest, wie weit ich selbst unten gelandet war. Wie konnte das passieren? Ausgerechnet mir? Ausgerechnet bei dem Thema? Erst kam das Erschrecken, dann ein Gefühl der Peinlichkeit und Scham und dann ein offenes Umgehen mit der Situation.

Darüber bekam ich einen anderen Zugang zu den Ursachen und konnte meine bisherigen Erfahrungen und Kenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Körper, Psyche und Denken neu ordnen und zu einem schlüssigen Ansatz verbinden. So konnte ich auch geeignete Maßnahmen entwickeln.

Nichts desto trotz musste ich die Reißleine ziehen, nur um fest zu stellen, dass es schon fast zu spät war. Zu sehr hatte ich Raubbau betrieben, und es war nicht ganz einfach der Ärztin klar zu machen, dass ich zwar alle Symptome einer mittelschweren Depression hatte, jedoch dies nicht die für mich zutreffende Diagnose war. Nun musste ich meine mühsam erworbenen Erkenntnisse bei mir anwenden. Zwar zeigten sie ihre Richtigkeit, jedoch war der Weg hinaus alles andere als einfach und mal eben nicht so schnell wie gehofft. Zunächst ging nämlich fast gar nichts mehr und ich erkannte mich kaum wieder. Schnell wurde mir klar, dass ich mich und mein Leben grundlegend überdenken musste, wollte ich nicht wieder in den Sog geraten.

Ich musste da also raus. Andere Arbeitsstellen in dem Bereich. Vom Regen in die Traufe? Nein. Sich selbstständig machen? Erst recht nein!!!! Die Erfahrung des Unternehmertums meiner Familie saß mir noch tief in den Knochen.

Aber ich hatte doch einen Traum!!!!

So war ich dann offen, als mich eine wildfremde Frau auf Xing anschrieb:

„Hallo Frau Thiel, ich sehe, Sie haben einen Traum: Leben und Arbeiten auf Kapverden. Ich habe mir meinen Traum erfüllt: Leben und Arbeiten auf Kapverden. Wollen Sie wissen, wie das geht?“ Klar wollte ich, und wie!!

Als sie mir dann das Konzept dieses besonderen Networkmarketings erklärte gingen bei mit 1000 Alarmglocken an:  von Sekte, Tupper, klinkenputzen über Schneeball und noch zig andere….  Es schien aber dennoch anders und  einfach zu gut, um wahr zu sein. Und schließlich war ich gerade mit Enttäuschungen ein ziemlich gebranntes Kind. Nicht schon wieder!

Trotzdem gab ich mir nach vielen Recherchen eine Chance. Ich kramte meine Biologiekenntnisse heraus. Was hatte ich wirklich zu verlieren? So probierte ich ein Produkt aus. So viel hatte ich zu der Zeit schon versucht, der Stress der ganzen Jahre hatte mir nämlich böses Rheuma und Arthrose in den Knien im Endstadium beschert.

Nicht ganz so klasse, wenn man sich gerade als Wanderführerin für innere und äußere Reisen auf den Kapverden eine neue Existenz aufbauen wollte. Gesundheitlich war ich von der Schulmedizin abgeschrieben, auch die bisherigen alternativen Maßnahmen brachten nur partielle Linderung. Aber wenn ich mit diesem Versuch auch Geld verdienen könnte, so, dass ich in meinem Tempo meinen Traum verwirklichen konnte, warum nicht?

Wider erwarten waren die Befunde nach einigen Monaten komplett weg und ich wollte mit der neuen Erkenntnis alle Leidenden der Welt retten. Nun ja, ein paar ließen sich darauf ein, mein Konto füllte sich. Und ich kündigte, belegte noch einige Zusatzausbildungen. So konnte ich als Coach für Burnout-Prävention mich selbstständig machen.

Nein, nicht mit dem Empfehlungsmarketing, das hatte doch mit Coaching und meiner Leidenschaft nichts zu tun, das kann doch Jeder. Und irgendwie hatte ich doch noch Angst, in eine bestimmte Schublade gesteckt zu werden. Einer meiner vielen Denkfehler zu der Zeit. Und so lief es getrennt nebenbei. Trug jedoch immer gut meine Miete.

Volldampf voraus, meine Praxis als Coach und Therapeutin voran zu treiben, und der Welt (Vater) zu beweisen, dass ich ein erfolgreiches Unternehmen ohne Stress auf die Beine stellen kann.

Der Erfolg? Nicht das, was ich mir darunter vorgestellt hatte. Der Preis war hoch. Nicht unbedingt an Geld, oder Zeit, denn ich tat es ja gerne. Aber an innerlicher Befriedigung.

Es fehlte immer ein Puzzlestein noch an meinem Angebot, so dass es sich für mich sinnvoll und rund anfühlte. Egal wie sehr ich mein Schatzkästchen an Methoden aus dem üblichen Bereichen anfüllte. Nein, ich bin kein Perfektionist, aber ich gebe nicht schnell auf, wenn es sich noch nicht richtig anfühlt.

Burnout? Ich doch nicht? Nein, aber wieder nahe dran.

Bis ich wieder eine Klientin vor mir sitzen hatte, die schilderte, dass sie große Angst hatte. Sie hätte gerade das Projekt ihres Lebens. Merkte, dass sie an ihre Grenzen kam, schon Schwierigkeiten mit der Konzentration hatte, nachts nicht mehr schlafen könnte. Aber es musste ein Erfolg werden. Egal wie schwierig die äußeren Strukturen waren. Denn ein Scheitern, eine Kündigung in ihrem Alter?

Entspannungsverfahren, Ernährungsberatung, Zeitmanagement, Mentalarbeit, Selbstsicherheitstraining für ggf. Hoffnung auf eine bessere Stelle? Alles berechtigt und mehr. Aber es fühlte sich doch wie eine Farce an. Wie soll eine Leistung erbracht werden können, wenn der Körper nicht mehr mitspielt, wenn existentielle Angst lähmt. Und wenn die definitiv vorliegenden Strukturen es nicht wie gefordert zulassen? Wenn mögliche Perspektiven nur das Gleiche vom Alten liefern? „Siehst doch nicht so eng, Hauptsache, du kannst etwas helfen, und Geld kommt rein.“   Nein, irgendwie fühlte ich mich unwohl dabei.

Mein Glaube an „wer will, der kann auch“ nur mit den richtigen üblichen Coaching-Methoden geriet ins Wanken. Meine eigenen (alten) Überzeugungen. Zu sehr hatte ich in den letzten Jahren systemimmanent gedacht und gehandelt. Fast 10 Jahre, in dem mein Traum und der Weg dahin ins Hinterstübchen verbannt war. Das tat weh.

Neuanfang. Nur jetzt nicht mehr so radikal wie die bisherigen, sondern erfüllter und stimmiger. Das letzte Puzzlesteinchen, nämlich die Einbindung des Konzeptes, ist gefunden.

Umwege erhöhen halt die Ortskenntnisse.

Danke an Dagmar Thiel, für diese wunderbare und Mut machende Geschichte.

Möchtest Du mehr über Dagmar Thiel erfahren. Dann folge diesem Link zu ihrer Homepage www.dagmarthiel.de 

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A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klientinnen ein. Dazu zeigt sie "ihren" Frauen in verschiedenen Programmen, wie sie ANDERS arbeiten können: Entlang ihrer Stärken, zufrieden & motiviert.

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